Schlagwort: Tod

Über Trauer und Mitgefühl: „Bis gleich“ – unbeschwert und leicht

Neulich habe ich über das Thema Abschied geschrieben und darüber, wie schwer es mir fiel, Abschied von meiner plötzlich verstorbenen Großmutter zu nehmen. Es war meine erste wirkliche Berührung mit Tod und tiefer Traurigkeit. Meine letzten Worte „bis gleich“ oder genauer: „Wir sehen uns doch morgen schon wieder.“

„Bis gleich“ – vielleicht die beste (unbewusste) Verabschiedung

Lange habe ich darüber nachgedacht und mir Vorwürfe gemacht, dass ich Oma damals eben nicht zum Abschied in den Arm genommen hatte, wie sie es einforderte. Doch es sollte nicht so sein und heute denke ich, vielleicht war es auch genau richtig so. „Bis gleich“ – unbeschwert und leicht.

Ayke Witt verabschiedet seinen Vater mit „bis gleich“

Zu dieser Betrachtungsweise kam ich 2015 dank Ayke Witt, damals Kandidat bei „The Voice of Germany“. Dort hatte er einen sehr berührenden Auftritt mit einem Lied, das er seinem verstorbenem Vater widmete: „Bis gleich“

Der Song hat für mich eine unglaubliche Tiefe. Ohne Ayke oder seinen Vater auch nur im Entferntesten zu kennen, spüre ich deutlich seine Trauer und das einst so enge Verhältnis der beiden.

In meinem engeren Umfeld habe ich ein paar Menschen, die leider früh ihre Väter verloren haben. Da ich das Glück habe, dass meine Eltern noch Leben und sogar noch verheiratet sind, kann ich unmöglich nachvollziehen, wie es Menschen ergeht, wenn sie tragisch ihre Eltern verlieren. Und doch verspüre ich bei manchen ein starkes Mitgefühl.

Manche Geschichten sind tragischer als andere

Es gibt Menschen, die sich trauen, ihren Schmerz zu zeigen. Menschen, bei denen ich sofort einen Zugang finde und sie spüre. Wenn sie ihre tragische Geschichte erzählen, entstehen Bilder vor meinen Augen und ich denke, dass ich mich in die Situation hinein fühlen kann.

Kann ich natürlich nicht wirklich. Doch ich kann die Stimmung meines Gegenübers wahrnehmen. Als Reaktion versuche ich liebevoll für sie da zu sein. Für alle Trauernden? Nein, natürlich nicht. So selbstlos bin ich lange nicht. Aber zumindest für die, deren Geschichten mich berühren.

Besonders schön finde ich, wenn es dann – irgendwann – zu einer liebevollen und etwas leichteren Betrachtungsweise der Situation kommt. So wie ein „Bis gleich“.

Kennst die dieses intensive Mitgefühl oder klingt es für dich eher nach Hokuspokus?

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen… [Werbung]

Ich hasse Abschiede. Schon immer. Den wohl prägendsten Abschied hatte ich mir meiner Großmutter. Ich war zwölf Jahre alt und ziemlich unbedarft. Oma stand für mich immer für Geborgenheit. Sie war ein bisschen dicklich und unheimlich kuschelig. Und doch entschied ich mich, an jenem Morgen gegen eine Umarmung zum Abschied.

Ich bin doch morgen schon wieder da.

So meine Erklärung. Und ich war am nächsten Tag wieder da. Oma nicht. Sie war völlig überraschend in der Nacht entschlafen. Ein Schock für die ganze Familie und ein Abschied, den ich nie vergessen habe. Weiterlesen