Wie eine Woche Auszeit mein Leben veränderte

Können wir nicht alle Urlaub gebrauchen – und das ständig?

Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit – genauer gesagt, drei Jahre (!!) – keinen richtigen Urlaub (mit Meer, Sonne und Wegfliegen) gemacht hatte, war es für mich dringend an der Zeit. Ich wollte alleine wegfahren und ein bisschen musste ich das auch. Gleichzeitig wollte ich nicht so ganz alleine sein. Mehrere Menschen in meinem Umfeld rieten mir deshalb dazu einen Surf und/oder Yoga Urlaub zu machen

Surf und Yoga Retreat – was ist das und warum?

Nun bin ich weder in dem einen noch in dem anderen besonders erfahren. Etwa einmal im Monat mache ich einen Yoga-Kurs in meinem Fitnessstudio. Außer ein paar Windsurfstunden hatte ich noch keine Surferfahrung. Trotzdem oder gerade deswegen hatte ich Lust, beides auszuprobieren. Zumal ich Sorge hatte, dass ein reines Yoga-Camp mir zu esoterisch und nur Surfen zu viele Freidenker (und Alkoholkonsum) bedeuten würde.

Das sind die Yogafriends Fuerteventura

Nach etwas Recherche stieß ich auf die Yogafriends Fuerteventura und hatte sofort Lust auf einen Besuch in der Villa. Im Gespräch mit der Gründerin Annette Arndt versuchte ich herauszufinden, was die Yogafriends Fuerteventura einzigartig macht:

Der Weg ist das Ziel.

Das habe ich schon einige Male gehört. Ist nur leichter gesagt als verinnerlicht.

Meine Reise Mein Weg mit den Yogafriends Fuerteventura

Wie ihr in meinem VLOG zur Reise sehen könnt, fiel es mir gar nicht so leicht, in den Flieger nach Fuerteventura zu steigen. Ich hatte – neben Sonnenmilch und leichter Kleidung – ziemlich schwere Gefühle im Gepäck. Doch die Sehnsucht nach Sonne, Meer und neuen Eindrücken war groß und gab mir genug Energie, um loszulegen.

Die Villa – Casa Yogafriends Fuerteventura

Ein paar Zimmer, eine tolle Küche, ein Übungsraum und ein kleiner Pool im Zentrum – mehr nicht. Was nach wenig klingt, war für mich eine Oase. Von allen Häusern der Straße, des Ortes – vielleicht sogar der Insel – war die Casa Yogafriends das schönste für mich. Es hat etwas Beschützendes, Vertrautes. Das Grundstück ist groß genug, dass jeder für sich sein kann und klein genug, dass keiner verloren geht. Gleichzeitig fand ich dort so viel Liebe zum Detail und ein Zimmer, in dem ich mich sofort Zuhause fühlte.

Einzelzimmer Yogafriends Fuerteventura Casa Yogafriends Fuerteventura mit Pool

Die Menschen – inspirierend, bewusst und ein wenig verrückt

Sowohl das Team als auch die Gäste waren wunderbar. Natürlich alle sehr verschieden. Mit manchen gab es mehr Berührungspunkte als mit anderen. Der gemeinsame Nenner war für mich unsere „Offenheit“. Es war eine Woche voller Übung, Aktivität, Albernheit, Genuss, Austausch, Fopperei und Mitgefühl. Eine Woche, in der sich Fremde trafen, einen Zugang zueinander fanden, sich bereicherten und dann auch wieder auseinander gingen. Nicht zu viel und auch nicht belanglos.

Das Essen – wenn das Detox ist, her damit!

Wow! Es gab Momente, da stimmten alle am Tisch in ein genüssliches „Mmmm“ ein. Es wurde alles frisch für uns zubereitet, vegetarisch und vegan. Wie ich oben im Video verrate, war es für mich und andere, nicht ganz leicht, komplett auf Koffein zu verzichten. Aber nach zwei Tagen, war das für mich kein Problem mehr. Das musste jeder für sich entscheiden. Genießern empfehle ich Käsekuchen und Eiscreme (von Ulla) in el Cotillo oder einen Abstecher ins Café in Lajares. Oder halt das frische Obst in der Villa…

Frühstückstafel mit Schälchen Müslischale mit Ananas, Pool im HintergrundQuiche und Käsebrot mit Gurke am Strand Obst, Kekse, Guacamole, Tomate

Yoga – Form follows Function

Wenn ich in Deutschland im Fitnessstudio Yoga mache, hat das sehr viel mit Flexibilität und bestimmten Posen zu tun. Bei den Yogafriends Fuerteventura empfand ich das ganz anders: Den Fokus auf die Atmung legen, dann die Atmung die Bewegung steuern lassen – immer GANZ ausatmen – und eine spürbare Verbindung mit dem Boden aufnehmen, Stabilität, sich tragen lassen, statt Überspannung zu halten. Objektiv mag das etwas esoterisch klingen, war es für mich aber so gar nicht, eher ganzheitlich. Atmen hilft.

Surfen – Bring die Kobra auf’s Brett

Ok, damit hatte ich nicht gerechnet. Mein absolut sympathischer und witziger Surf-Lehrer Ben warf sich als Trockenübung auf’s Surfbrett und erklärte, dass es wichtig sei, in die Kobra-Position zu gehen, wenn man sich hinstellen möchte. Abgesehen von den direkten Zusammenhängen und Benefits zwischen Yoga und Surfen, war ich sofort angefixt vom Wellenreiten und kann verstehen, warum alle Yogafriends auch surfen.

Wie ich ein Surfbrett trage Sprung aufs Surfbrett

Massage – das i-Tüpfelchen

Die meisten Retreats bei den Yogafriends Fuerteventura beinhalten eine ganzheitliche Massage-Behandlung beim Osteopath Jorge, der liebevoll „Mr. Magic Hands“ genannt wurde. Tatsächlich hat er es geschafft, mich mit seinen Händen an normalerweise extrem kitzeligen Stellen zu berühren. Seine Behandlung tat uns allen sehr gut und seine Tipps für den Alltag und die Yogapraxis waren sehr hilfreich.

Was hat sich für mich verändert?

Wenngleich ich bereits seit einigen Jahren Qi Gong mache und ab und zu auch meditiere – wobei ich bewusst auf meinen Atem achte – wurde mir erst durch die intensive Übungspraxis und die Anstöße der Yogafriends klar, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.

Je mehr ich übe, umso mehr habe ich das Gefühl ganz am Anfang zu stehen.

Das sagte mir Annettes Geschäfts- und Lebenspartner Miguel. Gefühlt war er unser Atem-Experte. Klang erstmal ernüchternd. Zugleich konnte ich nach nur einer Woche Yogapraxis bemerken, wie sich einiges veränderte. Miguel meinte, dass er Yoga auch praktiziere, um zufriedener zu sein. Auf uns wirkte er wie die Gelassenheit und Zufriedenheit in Person.

Auf den Spuren von Albert Camus

Im Urlaub überkamen mich einige sehr intensive Gefühle. Gerade in den ersten Tagen schreckte ich nachts oft hoch, schwitzte und weinte. Doch das legte sich.
Mitten im tiefsten Schmerz entdeckte ich, in mir, auch eine unbändige Freude. In beklemmender Enge – vor allem in meinem Brustkorb – spürte ich, in mir, eine unendliche Weite. Die Weite in der Natur unterstützte mich dabei. Mitten in einer dramatischen Schwere fand ich, in mir, eine Leichtigkeit – alberne und kindliche Momente lockerten meine Ernsthaftigkeit zusätzlich auf.

Lavastein auf meinem Kopf

Emotionen kommen und gehen – genau wie die Wellen des Meeres. Manchmal ist Flaute. Manchmal bin ich überschwänglich, dann wieder demütig.
Dank einer Woche ohne Alltagsstress, dafür mit inspirierenden Menschen, leckerem Essen und bestem Wetter konnte ich große Fortschritte in meiner Entwicklung machen.

Wenn du nur eine Sache mit nach Hause nimmst, haben wir viel erreicht.

Miguel machte mir bewusst, dass es auch im Rahmen der eigenen Entwicklung die kleinen Dinge sind. Das habe ich im Kopf, wenn ich täglich übe. Natürlich meditiere ich nicht so oft, wie ich es gerne würde. Nichts wurde aus meinem Plan, nach dem Urlaub öfter zum Yoga zu gehen. Doch die Basics, die habe ich – so gut ich konnte – verinnerlicht. Darum verbinde ich mich heute öfter als früher mit dem Boden, auf dem ich stehe, gebe mein Gewicht – und meine Last – ab. Ich atme bewusster. Immer? Nein, nicht immer, aber immer öfter. Ich lächle häufiger, auch in stressigen Momenten. Oder besser: gerade dann. Voller Dankbarkeit.

Namaste.

4 Kommentare

    • So sieht es aus mein Lieber. Ist natürlich gar nicht so leicht, dafür lohnt es sich meist umso mehr. Erst die Tage las ich auch darüber, dass der Wohlfühlbereich in vielen Fällen eher ein Jammer-Bereich, in dem es verpasst wird zu leben, ist.
      Ist was dran, wenn du mich fragst.

    • Danke für die Blumen, Jens!
      Und frisch zubereitetes Essen (vor allem, wenn es andere machen) ist doch immer spitze!

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