Und wieder gehe ich allein nach Hause… Leben auf dem Abstellgleis

Mann balanciert auf dem Abstellgleis

Es ist einer dieser Tage, an denen ich dachte, dass es mir ganz gut geht. Einer dieser Tage, an denen meine unbändige Hoffnung mich mit Lebensfreude erfüllt. Bis zu dem Moment, in dem das Kartenhaus zusammenfällt. Mir klar wird, dass ich wieder alleine nach Hause gehe. Gerade war ich noch fröhlich beschwingt und habe Späße mit lieben Menschen gemacht und dann überkommt mich der Klos von Traurigkeit. Ich bin einsam. Ich wurde abgelehnt.

Nein, das wird kein melodramatischer Post, eher schön traurig.

Die zweite Geige, das Abstellgleis

Viele meiner sexuellen Zwischenmenschlichkeiten (im Definieren des Beziehungsstatus tun wir uns schließlich alle schwer) waren Versteckspiele. Mal ging es darum, dass meine Partnerin nicht geoutet war oder doch und es dennoch nicht öffentlich leben wollte, mal war der Status so ungeklärt, dass meine Partnerin lieber abwarten wollte oder keine Beziehung leben wollte und manchmal gab es auch noch eine dritte Person im Spiel.

Das Gefühl die zweite Geige zu spielen ist schrecklich. Das Gefühl, das jemand nicht zu mir oder ihrer Sexualität steht, auch. Es ist so altbacken in der heutigen Zeit. Dafür bin ich unendlich dankbar, denn in vielen Teilen dieser Welt, werden so viele Liebesformen unterdrückt und verfolgt. Doch das abscheulichste Gefühl ist für mich, in der Schwebe zu sein, warmgehalten zu werden und auf dem Abstellgleis zu stehen. Ungewissheit.

„Ich dachte, ich hätte dich ‚on hold'“

Wenn ich jemanden liebe, dann versuche ich alles zu geben. Manchmal vielleicht mehr und länger als es gut für mich ist. Leider gerate ich dabei manchmal an Menschen, die eben nicht genau wissen, was sie wollen. Das versuche ich zu tragen. Doch als mir jemand „On hold“ von The xx schickte, war dieses Abstellgleis, auf dem ich geparkt war, schwer zu ertragen. Es war eine dieser Geschichten, in meinem Leben, die sich noch lange hinzog und viel Herz hatte. Und irgendwann brach mein Herz, als ich sie mit einer anderen sah.

I keep dancing on my own

Ich habe alles gegeben, schon öfter in meinem Leben, doch ich war nicht die, mit der sie nach Hause ging. „Dancing on my own“ von Robyn ist ein unglaublich intensiver Song. Als ich das erste Mal folgende Performance von Calum Scott bei „Britain’s Got Talent“ sah, war ich so unglaublich berührt, dass ich gleichzeitlich lächeln und weinen musste:

Diese fantastische Leistung nachdem seine Schwester abgelehnt wurde und diese Hingabe und Preisgabe sind einfach nur beeindruckend. Calum Scott hatte viele Jahre Probleme mit seiner Sexualität. Als lesbische Frau ist es für mich oft nicht leicht, doch ich glaube, dass Männer, die auf Männer stehen noch einen so viel schwereren Stand in unserer Gesellschaft haben.

Wie er da stand und sie zeigte, total beeindruckend. Egal wie du liebst, ich bin sicher, du kannst dich einfühlen. Wer wurde noch nicht abgelehnt in seinem Leben?

Was tun mit dem emotionalen Klops?

Es braucht viel Mut und Kraft, sich nicht dieser Traurigkeit und diesem Schmerz hinzugeben. Manchmal spüre ich, dass ich diese unangenehmen Gefühle jeden Tag in mir trage. Vor allem auf dem langen, einsamen Weg nach Hause. Noch mehr, wenn ich sehe, die anderen (Menschen, die ich einst liebte), mit jemand anderem gehen. Selbst wenn sie nur hoffen, mit jemand (bestimmten) anderem zu gehen. Oder wenn ich ziemlich sicher bin, dass sie gar nicht so glücklich sind, wie sie scheinen.

Oft hält das neue Glück auch nicht. Doch das ist unwichtig. Es ist, wie es ist. Wichtig ist, dass wir, auf dem Weg, den wir gehen, das Schöne genießen, das uns begegnet. Und wenn ich die Traurigkeit und die Einsamkeit wieder spüre? Dann nehme ich sie mit auf die Tanzfläche. Und manchmal findet mich dann jemand in meiner tanzenden Traurigkeit so schön, wie ich Calum Scott in seinem Auftritt finde.

Weitertanzen.

 

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